THEOLOGIE DES LEBENS

Eine neue Erzählung über das Leben, wie wir es erfahren

„Sie müssen sich das Leben auf der Erde wie ein Netz vorstellen“ (Dirk Steffens)

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In einem aktuellen Interview über „das größte Artensterben seit dem Verschwinden der Dinosaurier auf der Erde“ (vor 65 Millionen Jahren) gebraucht der bekannte Journalist Dirk Steffens ein prägnantes Bild, um deutlich zu machen, wie dramatisch sich die Ausrottung der Arten durch den Menschen auf ihn selbst auswirkt.

„Sie müssen sich das Leben auf der Erde wie ein Netz vorstellen, das uns alle trägt. Jede Art hat eine Funktion, so wie ein einzelner Faden. Wenn zu viele Fäden reißen, bricht alles zusammen. Die Menschheit ist gerade dabei, ihre eigenen Lebensgrundlagen zu vernichten.“

Das Bild vom Leben als Netz, in dem alles miteinander verbunden ist, ist noch recht neu. Im orthodoxen Darwinismus, der die dogmatisch-reduktionistische Wissenschaft geprägt hat, herrscht vor allem das Bild des Überlebenskampfes der Arten und der Gene vor, so z.B. beim britischen Porpulär-Biologen Richard Dawkins („Das egoistische Gen“, 1976). Alles ist geprägt von der Konkurrenz und dem Ziel der Selektion durch immer perfektere „Überlebensmaschinen“.

Die patriarchalen Religionen Judentum, Christentum und Islam haben jahrtausendelang einen Theismus proklamiert (und tun es in ihren Hauptströmungen bis heute), der vor allem das Trennende und Hierarchische des Lebens hervorhebt. Es existiere, so ihre Behauptung, ein göttliches Herrschafts- oder übermenschliches Elternwesen mit menschenähnlichen Eigenschaften, das das Verhalten des Menschen beurteile, dem wiederum alles andere Leben untergeordnet sei. Dieses Gottwesen erhalte seine Schöpfung, greife in sie nach Bedarf ein und lenke sie. Das rein hierarchische Verhältnis wird entsprechend übertragen auf das zwischen Mensch und Natur. Der Mensch stehe der „Natur“ gegenüber und hat im besten Fall „Verantwortung“ für sie (sie zu erhalten und in sie einzugreifen), gehöre ihr aber nicht zu.

Es wird Zeit für einen radikalen Perspektivwechsel, von der „Krone der Schöpfung“ zum „vernetzten“ Organismus des Lebens. Das Leben braucht den „Kampf“ der Individuen und einzelner Arten untereinander, um sich weiter zu entwickeln, aber die Kooperation steht nicht im Dienste dieses „Egoismus“, sondern umgekehrt. Das Beziehungsnetz ist die Grundlage für die Evolution jedes seiner Mitglieder. Kein Mitglied des Netzes kann allein existieren. Jedes ist ein Mangelwesen, das angewiesen ist, auf das Potential anderer. Auf einzelne Individuen wird dabei nicht immer Rücksicht genommen. Doch wenn Fressen und Gefressenwerden nicht mehr im Dienst der Lebensgemeinschaft stehen und zuviele Fäden des Netzes von Einzelnen gerissen werden, geraten diese ins Abseits.

Letztendlich wird dies gerade am Menschen deutlich: sollte er auf seinem „Egoismus“ bestehen und seine Herrschaft mittels der von ihm geschaffenen Maschinen weiter auf Kosten anderer Lebensarten perfektionieren, gerät er in eine Sackgasse der Evolution und stirbt aus. Eine solche Lebensart ist im Beziehungsnetz des Lebens auf Dauer nicht überlebensfähig.

Autor: theologiedeslebens

Ev. Pfarrer in Dortmund

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